Von einer Tankstelle in der Schönbornstraße zu sieben Geschäftsbereichen
Vier Generationen, sechs Vertragsmarken und ein Satz, der immer wieder gefallen ist: Es muss doch besser gehen. Die lange Fassung der VTN-Geschichte – mit den Umwegen, die dazugehören.
100 Jahre Velten – von der Tankstelle zum digitalen Netzwerk
Vier Generationen sind kein Jubiläumsschmuck. Sie erklären, woher die heutige Denkweise kommt: Handwerk, Erfahrung, Problem erkennen, Lösung entwickeln, Lösung anderen zugänglich machen.
Arthur Velten gründet in der Schönbornstraße 27 in Bruchsal eine Shell-Tankstelle mit Garagen, Reparaturwerkstatt und Fahrschule. Die Bronzeplakette „handwerklicher Meister-Betrieb – seit 1925“ hängt heute noch im Betrieb.

Das erste eigene Auto: ein offener Tourenwagen. Am Steuer Arthur Velten, hinten die Familie.

Gründung einer Fahrschule. Der Briefkopf von Arthur Velten führt sie neben Kraftfahrzeugen, Reparaturen, Tankstelle und Garagen auf.

Vertrieb und Instandhaltung von Opel. Am 15. September wird Arthur Velten als Inhaber eines Autoreparatur-Betriebes in die Handwerksrolle der Badischen Handwerkskammer eingetragen.

Erster Umbau der Tankstelle: ein Betonvordach mit SHELL-Schriftzug über zwei Säulen, dahinter die Durchfahrt in den Hof.

Werksvertretung für Borgward, Goliath und Tempo. Der Briefkopf von Arthur Velten zeigt Hansa-Personenwagen und Goliath-Lieferwagen – beide aus dem Hause Borgward. 1961, im Jahr des Borgward-Endes, bedankt sich Carl F. W. Borgward aus Bremen schriftlich für „ein Vierteljahrhundert guter geschäftlicher Verbindung“. Genau 25 Jahre zurückgerechnet: 1936.

Krieg und Besatzung kosten den Betrieb Werkzeuge, Waren, ein Auto und Teile des Hauses. Die Forderung an die französische Besatzungsmacht: 16.334,82 Reichsmark, erstattet werden zwei Drittel. Der Betrieb macht weiter und beteiligt sich am Wiederaufbau.

Gründungsmitglied der Kfz-Innung Bruchsal.

Arthur Velten stirbt plötzlich und unerwartet. Anna Velten übernimmt die Geschäftsführung.
Walter Romig vom Autohaus Arthur Velten nimmt am Lehrgang IX der Borgward-Verkäufer-Schulung in Bremen teil, 31. Januar bis 4. Februar. Ausbildung ist im Betrieb kein neues Thema – sie läuft seit den Fünfzigern mit.

Zweiter Umbau: aus der Zapfstelle wird eine Shell-Dienst-Station mit Verkaufsraum, Vordach und zwei ICA-Zapsäulen. Vor der Tür parkt eine Borgward Isabella.

Vertrieb und Instandhaltung von Hanomag-Henschel-Nutzfahrzeugen. Das Emailschild mit der Adresse Schönbornstraße 27 hängt bis heute im Betrieb.

Siegfried Velten übernimmt die Geschäftsführung. Der Betrieb führt Peugeot – erstmals eine Importmarke – und schließt im selben Jahr den Werkstattvertrag für Mercedes-Benz Nutzfahrzeuge.

Wechsel auf Datsun. Am Freitag, dem 9. Januar 1981 eröffnet die Velten Autohandelsgesellschaft mbH die Vertretung offiziell. Die Zeitung hält den Grund für den Wechsel fest: die alte Marke ging im Absatz zurück.

Aus Datsun wird Nissan. Die Einladung der Velten Autohandels Gesellschaft mbH zeigt den Betrieb unter der neuen Marke.

Bezug der Immobilie John-Deere-Straße 17 in Bruchsal.
Bernhard Velten besteht die Meisterprüfung im Kraftfahrzeugmechanikerhandwerk vor der Handwerkskammer Karlsruhe. Die Betriebsanzeige von damals: „Das zweitälteste Bruchsaler Autohaus verjüngt sich.“

Neuausrichtung. Das Neuwagengeschäft geht „quasi auf null“ zurück. Ende der Markenbindung, fabrikatsfreier Vertrieb, Gründung eines freien Werkstattbetriebs. Aus der Erfahrung mit sechs Vertragsmarken wird die Entscheidung, keiner mehr zu gehören.

Bernhard Velten übernimmt den Geschäftsbetrieb und löst die dritte Generation ab. Er führt den freien Werkstattbetrieb fort und gründet ein Sachverständigenbüro für Kfz-Technik. Schwerpunkt: automobile Dienstleistungen.
Gebrauchtwagengarantie statt „gekauft wie gesehen“: Auf Basis seines Fahrzeugzustandsberichts gibt ein Versicherer 24 Monate Garantie auf privat gekaufte Gebrauchte. Das standardisierte Gutachten als Produkt – fünf Jahre vor expertiseo.

Vom Werkstattboden zum Sachverständigenwesen
Werkstatt fegen, Autos waschen, mithelfen
Der Einstieg war nicht strategisch. Er war das, was man im Familienbetrieb eben macht, wenn man klein ist.
Kfz-Mechaniker, dann Meister – unter Druck
Zur Zeit der Meisterprüfung war der Familienbetrieb wirtschaftlich praktisch am Ende. Übernommen wurde nicht aus einer komfortablen Lage heraus, sondern zeitweise an drei Hebebühnen gleichzeitig. Das prägt, wie man später Probleme angeht: nicht theoretisch optimieren, sondern sehen, verantworten, machen.
Anderthalb Jahre Automobilverkauf, rund 230 Fahrzeuge
Ein Bruch im Lebenslauf, der sich gelohnt hat. Aus dem Verkauf kam eine zweite Perspektive dazu: Wie denkt ein Kunde? Was schafft Vertrauen? Wie entscheidet ein Mensch? Handwerk allein reicht nicht.
Am Mantel – wieder eigener Betrieb
Eigener Standort, erneuter Aufbau einer Werkstatt, diesmal mit deutlich mehr Erfahrung. Aus dieser Phase wächst das Sachverständigenwesen heraus.
Das erste Wertgutachten für SEW-Eurodrive
Ein Auftrag, aus dem ein eigener Kompetenzbereich wurde. Öffentlich bestellt und vereidigt von der Handwerkskammer Karlsruhe – und damit verpflichtet auf das Ergebnis, das fachlich richtig ist, nicht auf das, das jemand gern hätte.
Aus der Erfahrung ist ein Netzwerk geworden
Was im eigenen Betrieb entstanden ist, steht heute anderen Betrieben offen – ohne Franchise und ohne Exklusivbindung.